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In der zweiten Woche der Osterferien gab es am Riehl-Kolleg ein Mathe-Bootcamp. Am (Oster-)Montag finden sich, noch etwas ungläubig und müde, eine Handvoll wackerer Studierender im Riehl-Kolleg ein. Herr Wende fragt zu Beginn die Erwartungen der Studierenden ab und erarbeitet daraus ein vorläufiges Programm für die Woche. Dann geht’s schon los.

In den folgenden vier Stunden wird jeder Wunsch erfüllt; alle Themen werden nach und nach abgearbeitet. Da die Studierenden in unterschiedlichen Semestern studieren, sind die Themenwünsche recht vielfältig – und am Ende des Tages fragt ein Studierender etwas überrascht: „Haben wir jetzt eigentlich den Stoff des kompletten dritten und vierten Semesters gemacht?!“

Am Dienstag hat sich herumgesprochen, dass das Mathe-Bootcamp gestartet ist: Der Raum mit den „Mathe-Füchsen“, wie Herr Wende gerne sagt, ist deutlich voller. Die Studierenden kommen jetzt aus allen vier Semestern der Kursphase, manche aus einem Leistungs-, manche aus einem Grundkurs. Herr Wende rechnet eine Klausur zur Differential- und Integralrechnung ganzrationaler Funktionen vor (weil „Klausuren immer am besten zum Üben" sind).

Am Nachmittag wird Pizza bei einer Pizzeria bestellt und Fußball auf dem leeren Lehrerparkplatz gespielt. Das muss zum Ausgleich, nach so viel Mathematik, einfach sein.

In den nächsten Tagen geht es so weiter: Vormittags wiederholen etwa 15 Mathe-Füchse nach und nach alle wichtigen Themen der Kursphase; nachmittags sitzt eine kleinere Runde von Studierenden noch etwas zusammen, dann wird gequatscht, gelästert und gelacht.

Am Ende der Woche werden Beispiel-Abiturprüfungen sowohl zur Analysis als auch zur Analytischen Geometrie erfolgreich gelöst. Damit ist klar: Die Abiturprüfung kann kommen – für manche früher, für andere später.

Besonders todesmutig erweisen sich zwei Mathe-Füchse aus dem dritten Semester, die die ganze Woche über eifrig mitdenken und mitrechnen, und sich damit viel Stoff aus folgenden Semestern schon mal vorab erarbeiten.

Zum Abschluss haben sich alle ein gemeinsames Grillen im Schulgarten verdient. Bei sonnigem Wetter werden selbstgezauberte kulinarische Hochgenüsse wie gefüllte Weinblätter oder Bulgur-Salat verspeist. Hmmmmm, das schmeckt – und ist ein toller Abschluss einer intensiven Woche. „Danke, Herr Wende, dass Sie uns das ermöglicht haben!"

Am vergangenen Montag hatte der Leistungskurs Soziologie des fünften Semesters im Rahmen des Themas „Wandel der Arbeit und der Wirtschaft“ die Chance, die DASA in Dortmund zu besuchen. Dort konnte man die Industrieinnovationen und Arbeitsplätze, die im Unterricht zuvor theoretisch besprochen wurden, in der Praxis kennenlernen und Belastungs- und Gefahrenquellen ehemaliger Industriearbeiter kennenlernen.

Durch die Schilderungen der vor Ort angestellten ehemaligen Fachkräfte konnten die enormen gesundheitlichen, körperlichen und psychischen Belastungen, die Industriearbeiter während der frühen Industrialisierung aushalten mussten, auf besonders eindrückliche Art erfahren werden. So erläuterte uns in einem nachgebauten Stahlwerk ein Mitarbeiter, wie früher die Hochöfen bei Temperaturen von bis zu 6000°C von Arbeiter*innen betreut wurden, und wie leicht es war, während der Arbeitszeit schwere Verbrennungen zu erleiden, falls jemand einen Fehler machte. Auch die Infektions- und Lärmbelastung in einer mechanischen Weberei konnten wir anhand einer Demonstration gut nachvollziehen. In einer interaktiven Demonstration eines Schriftsetzers in der Druckerei haben wir einen Eindruck gewonnen, wie schwer die bleiernen Ligaturen sind, die in mechanischen Druckereien zum Einsatz kommen, und wie sehr man auf die Hygiene achten muss, um eine Vergiftung durch das Blei zu vermeiden. Zudem geht von den allermeisten mechanisch betriebenen Anlagen Gefahr für die Gliedmaßen der Arbeiter*innen aus, weil eine einmal laufende Maschine nicht automatisch stoppt, wenn sich Kleidung oder Haare in der Mechanik verfangen. Dies kann in größeren Anlagen wie den dampfbetriebenen frühindustriellen Maschinen zum Verlust von Körperteilen, Quetschungen oder sogar dem Tod führen.

Auch interessant war die Sonderausstellung zur künstlichen Intelligenz, die uns tiefere Einsichten über maschinelles Lernen, die Digitalisierung der Arbeit und des Alltags, sowie Probleme von modernen KI-Anwendungen (z.B. "hardcoded racism" oder dem Überwachungskapitalismus) zugänglich machte.

Sowohl die Studierenden als auch der Lehrer fanden die Ausstellung äußerst bereichernd, so dass weitere Fahrten in kommenden Semestern sehr wahrscheinlich sind.

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